Städtereise Soest
So ist Soest
Reihe – Historische Städtereisen
So ist Soest. Dieser Satz wirft Fragen auf. Wie ist Soest denn, fragt schon die vom Tourismusbüro der Stadt Soest herausgegebene Broschüre. Kurzgefasst könnte man die westfälische Metropole so charakterisieren: Das Herz schlägt mittelalterlich, Geist und Körper präsentieren sich quicklebendig.
Heute präsentiert sich die Kreisstadt offen und modern. So ist Soest. Beinhaltet
das Motto nicht auch eine Doppeldeutigkeit? Genau! Denn das Kennzeichen ist „SO“. So gibt es also zwei Lesarten des Satzes, aber nur eine Aussprache des Städtenamens. Aber zum Glück gibt es
ja Menschen wie Harald Schmidt. Der Fernsehmoderator leistet seit Jahren aktive Aufklärungsarbeit und weist in seinen Sendungen immer wieder darauf hin, dass das „e“ im Stadtnamen bei der Aussprache stumm bleibt.
Soest historisch -Tausend Jahre und kein bisschen alt
Soest war im Mittelalter eine Großstadt. Dank des Hellwegs, eine der ältesten Handelsstraßen Europas, der mitten durch die Stadt führte, entwickelten die aktiven Soester ausgedehnte Handelsbeziehungen in ganz Europa. Die weltoffenen Soester Kaufleute waren Mitbegründer der Hanse – mächtiger Kaufmanns- und späterer Städtebund. Das Soester Stadtrecht, das auf eine „Kuhhaut“ ging, war Vorbild für andere Städte in nah und fern. Das Stadtarchiv beherbergt einzigartige mittelalterliche Schätze und dokumentiert die glanzvolle Geschichte der Stadt. Der ausgeprägte Eigenwille der Soester Bürger war es auch, der zu einer Kündigung des Herrschers führte. Die Bürger suchten sich einfach einen anderen und lösten damit die „Soester Fehde“ aus. Noch heute wird das historische Ereignis als mittelalterliches Spektakel in der Soester Altstadt gefeiert. Die Soester Fehde fand in den Jahren 1444 bis 1449 statt. Die Stadt behauptete darin ihre Freiheit gegen den Erzbischof Dietrich von Köln, der versuchte, seine alte Herrschaft zu erneuern. Die Stadt begegnete dieser Politik am 5. Juni 1444 durch die Annahme eines neuen Landesherren, Johann I., des Herzogs von Kleve Mark, welcher der Stadt ihre alten Rechte und noch weitere hinzu gewährte. Als Folge dessen verhängte Kaiser Friedrich der III. die Reichsacht über die Stadt. Der Sieg der Stadt Soest (bzw. die Aufgabe des Kölner Erzbischofs) führte dazu, dass die Stadt Soest bis zur preußischen Einverleibung de facto mehr Freiheiten hatte als eine freie Reichsstadt, zugleich jedoch, aufgrund der territorialen Einkesselung in kölnischem Gebiet, langfristig ihre wirtschaftliche Macht einbüßte. Eine ganze Stadt befindet sich im Mittelalterfieber, wenn die „Soester Fehde“ in der Stadt Einzug hält (2009 vom 15. bis 23. August). Mehr als insgesamt 1 000 gewandete Schauspieler, Laiendarsteller und Statisten stehen dann im Fokus eines außergewöhnlichen und bunten Mittelalter-Spektakels, das historisches Ereignis aus der Stadtgeschichte zum Ausgangspunkt
hat. Die Höhepunkte des Festivals sind die beiden schauspielerischen Programmteile, die effektvoll inszeniert, die Zeit zwischen 1444 und 1449 lebendig werden lassen. Sowohl das Theaterstück „Festspiel Soester Fehde“ als auch die Nachstellung des „Großen Sturms“ nutzen die eindrucksvolle
Kulisse der Soester Altstadt. Einen weiteren glanzvollen Höhepunkt liefert der farbenprächtige „Einzug des Johann von Kleve“, an dem mehr als 500 Mitwirkende und 40 Pferde teilnehmen.
Dass die „heimliche Hauptstadt Westfalens“ (Internetseite der Stadt Soest) zur Zeit der Hanse zu den wichtigsten Städten in Westfalen zählte, lässt sich auch an einer Reihe von imposanten Bauwerken
ablesen, z. B. an der Wiesenkirche, die zu den schönsten spätgotischen Hallenkirchen (1313) Deutschlands zählt. Im Zentrum erhebt sich der mächtige romanische Turm von St. Patrokli, im Volksmund auch „Turm Westfalens“ genannt. Fast geduckt wirkt ein paar Schritte weiter die berühmte Nikolaikapelle aus dem 12. Jahrhundert. Nur die Fußgängerzone trennt St. Patrokli von St. Petri, der „Alden Kerke“. Hierbei handelt es sich um die älteste Kirchengründung Westfalens. Sie
stammt aus dem 8. Jahrhundert. Besonders stolz sind die Soester auf ihre fast vollständig erhaltene Stadtumwallung. Noch heute kann man auf der alten Mauer die Stadt umrunden und einen Blick auf die grünen Gärten der Altstadt werfen. Dabei sollte man auf keinen Fall vergessen, dem Osthofentor einen Besuchabzustatten. Es ist das letzte Erhaltene von ursprünglich zehn Stadttoren.
Ein Gang über die Wälle oder durch die Gräften ist immer ein Erlebnis, besonders zur Zeit der Baumblüte.
Soest erleben
Die Soester Bürger wissen ihr Erbe behutsam zu wahren und mit neuem Leben zu erfüllen. Da greifen private Initiative und öffentliche Hand ineinander und leisten gemeinsam Vorbildliches: die aufwendige Restaurierung von Grünsandsteinkirchen und Fachwerkhäusern, die Nutzung von historischen Gebäuden zu neuen Zwecken oder die behutsame Stadterneuerung. Dank Bürgerzentrum „Alter Schlachthof“ und „Veranstaltungs Centrum Stadthalle Soest“ gibt es kaum noch Musikund Theatersparten, die nicht abgedeckt wären. Auch deutsche Spitzen-Comedians gastieren gerne hier. Darüber hinaus bietet die Stadt natürlich auch eine Reihe von jährlich wiederkehrenden Großveranstaltungen, wie z. B. das Soester Kneipen-Festival im März, den Bördegang im Mai, die „Sommerlichen Musiktage“ oder die Allerheiligenkirmes im November. Letztere darf sich die größte Innenstadtkirmes Europas nennen und ist somit ein richtiges Mega-Event. Fünf Tage Ausnahmezustand auf 60 000 m² Stellfläche und eine Stimmung wie im Rheinland beim Karneval. Jedes Jahr besuchen allein eine Million Menschen diese Kirmes. Wenn
sich die Soester Einwohnerzahl im November verzwanzigfacht, liegt das weder am ausgeprägten Paarungsverhalten der Bürger noch an einem vorgezogenen Winterschlussverkauf mit Weihnachtsmarkt. Mehr als vierhundert Aussteller, darunter über vierzig Fahrgeschäfte, schlängeln sich ab dem ersten Mittwoch nach Allerheiligen durch die Straßen und Gassen. Die historischen Kirchen wirken dabei wie Felsen in der Brandung.
Die westfälische Interpretation der Bibel und ländliche Rezepte
Jesus war ein Westfale? Na ja, zumindest, wenn man sich die Fenstermalereien der Wiesenkirche (St. Maria zur Wiese) anschaut. Dort verzehren Jesus und seine 12 Jünger beim „Westfälischen Abendmahl“ heimische Spezialitäten. Zu denen gehört auch der Soester Pumpernickel. Seit 400 Jahren in Soest hergestellt ist das Brot eine einzigartige Mischung aus Roggenschrot und Wasser, ganz ohne Salzzusatz. Ein besonderer Genuss zum Pumpernickel ist das Bullenauge, keine Angst, auch wenn der Name sehr bäuerlich anmutet, verbirgt sich dahinter kein Güllecocktail,
sondern das inoffizielle Nationalgetränk der Soester. Allerheiligenkirmes: ein leckerer Mokka-Likör mit einem Schuss Sahne. Auf der Pirsch nach typischen Soest- Souvenirs hilft ein Bummel durch die gemütliche Fußgängerzone weiter. In der Tourist-Information u. a. Original Soester Blaudruck Artikel erhältlich. Die anspruchsvolle Textilveredelung gehörte im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts zu den führenden Handwerken.
Soest aktiv
Für Freizeitaktivisten, Ausflügler und Neugierige bietet Soest ein breitgefächertes Programm. Die Stadt gehört zu den fahrradfreundlichen Städten in Nordrhein-Westfalen. Die Soester Börde lädt
zu ausgedehnten Entdeckungsreisen mit dem Fahrrad ein. Der benachbarte Kurort Bad Sassendorf
lockt mit Kurpark, Handwerkermarkt, Oldtimer Rallye und Sole-Thermalbad. Der Möhnesee mit dem angrenzenden Arnsberger Wald bietet ausgedehnte Wanderungen, Segeln auf dem Möhnesee,
Mountainbiking und Eislaufen in Echtrup. Auch die Nachbarstädte des Kreises Soest bieten vielfältige Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten. Nicht nur die Wirtschaft, auch der Bürger und die Touristen schätzen die hervorragende Verkehrsanbindung der Stadt. Die A 44 ist der Schnellweg in die nahen Ballungszentren oder in die neuen Bundesländer, im Bahnhof Soest hält mehrmals täglich der IC und der ICE. Die Regionalbahn fährt halbstündlich nach Dortmund und für Flugreisen bieten sich die beiden Flughäfen Dortmund-Wickede und Paderborn-Lippstadt an.
Was hält Sie da noch auf, auf Ihrer Reisenach Soest?

