Städtereise Münster

Städtereise MünsterBeginnt man einen Bericht über Münster zu schreiben, weiß man gar nicht, wo man anfangen und wo man aufhören soll. Auf alle Fälle ist der zur Verfügung stehende Platz in diesem Magazin viel zu kurz, sodass man viele Themen nur kurz anreißen kann. Um Ihnen einige schöne, einige interessante und einige bedeutsame Plätze zu zeigen, habe ich mich mit Wolfgang Deckenbrock verabredet, der sich in Münster auskennt wie kaum ein anderer. Er betreibt seit 50 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Gerda das Restaurant „Deckenbrock – Kleiner Kiepenkerl“ am Spiekerhof in der Innenstadt von Münster.

Münster kann auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken, deren Ursprünge bis auf das sechste Jahrhundert und auf die sächsische Siedlung Mimigernaford zurückgehen, die sich auf dem Gebiet des heutigen Domplatzes befand. Im Jahre 793 gründete der Missionar Liudger an der münsterschen Aa ein Kloster (lat. Monasterium), was der späteren Stadt Münster ihren Namen gab. Im Jahre 805 wurde Liudger zum ersten Bischof von Münster ernannt. Im Jahre 1648 fand in Münster ein Ereignis von internationalem Rang statt. Im heute historischen Rathaussaal wurde der westfälische Friede besiegelt, der den Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) beendete. Damit wurde Münster schlagartig in ganz Europa bekannt. Geschichtsinteressierten Lesern ist wohl die ganze spannende Stadtgeschichte bekannt, ansonsten auch nachzulesen unter wikipedia.de.
Heute ist Münster eine Großstadt, Sitz der Bezirksregierung, Bischofssitz, Universitätsstadt mit ca. 50 000 Studenten und Dienstleistungszentrum (mehr als 80 % aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten arbeiten im Dienstleistungssektor).
Im Stadtgebiet gibt es gleich mehrere Schlösser, alte Kirchen und viele historische Gebäude, einen Zoo, den Aasee und die historische Innenstadt, rund um den Prinzipalmarkt. Münster hat (2009) ca. 285 000 Einwohner und wohl noch einmal so viele Fahrräder (500 000 lt. Münster-Marketing). Münster gilt aber auch bundesweit als Klau-Hochburg für Fahrräder. Auf 100 000 Einwohner kommen rund 1 900 Fahrraddiebstähle pro Jahr.
Jedes Jahr strömen hundertausende Besucher in die Stadt. Offiziellen Quellen zur Folge besuchten im Jahre 2008 ca. 514 000 Touristen Münster. Vor dem historischen Rathaus sieht man oft Besuchergruppen aus Asien, hört aber beim Gang über den Prinzipalmarkt auch überdurchschnittlich viel holländische Wortfetzen. Sie ist halt liebenswert diese Stadt und wird darum gerne von Menschen aus den Nachbarstädten und von Menschen aus der ganzen Welt besucht.
Seit 2004 darf sich Münster als lebenswerteteste Stadt der Welt (Internationaler LivCom-Award 2004 in der Kategorie Städte von 200 000 – 750 000 Einwohner) bezeichnen.
Um uns bei diesen vielen städtebaulichen Attraktionen, die Münster zu bieten hat, nicht zu verzetteln, hat mir Wolfgang Deckenbrock einen Tourenplan vorgeschlagen.
Wir beginnen mit dem Hafen von Münster und seinem Kreativkai.
Münsters Stadthafen hat sich von einem Güterumschlagplatz mit annähernd 1,3 Millionen Tonnen und 4 300 Schiffen im Jahre 1962 bis auf nur noch 63 000 Tonnen im Jahre 2009 zurückentwickelt. Heute ist es vor allem der Kreativkai, der zwar keine Schiffe, aber viele Menschen in den Hafen lockt. Die Mischung aus umgebauten Speicherhäusern und moderner Architektur macht den besonderen Reiz von Münsters Stadthafen aus. Der Getreidespeicher II avancierte z. B. zum Kunsthaus mit über 30 Künstlerateliers. Ansonsten haben sich hier viele Kreativ-Unternehmungen angesiedelt: Werbeagenturen, Verlage und Architekturbüros. Die Gastronomie zieht besonders die jüngere Generation von Kneipen, Bar und Restaurantbesuchern an. Sie ist mal stylish, mal trendy und manchmal auch nur etwas anders. Da ist z. B. das Heaven, mit seinem aufgeschütteten Sandstrand, Palmen, Liegestühlen und natürlich auch seinen Longdrinks. Das Heaven ist aber auch ein pulsierender Club und ein schickes Restaurant. Mögen Sie Live-Jazz, dann ist der Hot Jazz Club genau das Richtige. Von der Promenade zahlreicher Cafés und Restaurants genießt der Besucher den direkten Blick auf den Flechtheimspeicher mit dem alten Hafenkran.
Mit dem Taxi geht es dann zum fürstbischöfliche Residenzschloss in der Innenstadt. Das in den Jahren 1767 bis 1787 von Conrad Schlaun im Barockstil erbaute Gebäude, diente dem vorletzten Fürstbischof Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels als Amtssitz. Das Schloss ist aus dem hier vorherrschenden Baumberger Sandstein erbaut. Seit 1954 beherbergt es den Hauptsitz der Universität von Münster. Alljährlich findet vor dem Schloss das Open-Air-Stadtfest „Münster verwöhnt“ statt. Ein Gourmetfestival mit großem kulinarischen und kulturellem Angebot. Vom Schlossplatz aus erreicht man in wenigen Gehminuten die zentrale Innenstadt. In der Salzstraße 38 befindet sich der Erbdrostenhof. Der dreiflügelige Adelshof ist ebenfalls ein Meisterwerk des berühmten Barock-Baumeisters Johann Conrad Schlaun, der von Erbdroste Adolf Heidenreich Freiherr Droste zu Vischering 1753 in Auftrag gegeben wurde. Prunkstück des Erbdrostenhofes ist der Festsaal. Hier finden oft Konzerte und Festivals statt. Im Schloss sind auch das westfälische Museumsamt und das westfälische Amt für Denkmalpflege beheimatet. Bemerkenswert ist der Erbdrostenhof besonders durch seine repräsentative Gestaltung auf dem engen Dreiecksgrundstück in der zentralen Innenstadt. Von hier aus sind es nur wenige Schritte bis zum Spiekerhof. Hier befindet sich der Brunnen mit dem Kiepenkerl-Standbild sowie die beiden Restaurants „Großer Kiepenkerl und Deckenbrocks Kleiner Kiepenkerl“. Der Kleine Kiepenkerl gilt als Münsters gute Stube. Vom Spiekerhof blickt man auf die Arkaden, unter denen sich viele bekannte und auch exklusive Geschäfte befinden. Nur einige Meter weiter auf der linken Seite steht die 1375 erbaute mächtige Lambertikirche. Sie bildet den nördlichen Abschluss des Prinzpalmarktes. Ihr Bau wurde durch Kaufleute der Stadt finanziert und galt als Gegengründung zum übermächtigen Paulus Dom. Bekannt über Münster hinaus wurde sie vor allem auch durch die drei Körbe über der Turmuhr, in denen die Leichname der drei Wiedertäufer Jan van Leiden, Bernd Krechting und Bernd Knipperdolling nach deren Hinrichtung zur Schau gestellt wurden. Weiter geht es nun unter den Arkaden den Prinzipalmarkt hinauf bis zum Gasthaus Stuhlmacher auf deren Terrasse viele Münster Besucher nach ihrem Bummel durch die Innenstadt gerne eine Rast einlegen, sich mit einem Stuhlmacher Lagerbier erfrischen und dem regen Treiben auf dem Prinzipalmarkt zusehen. Stuhlmacher ist ein weithin bekanntes Traditionsgasthaus, in dem viele Stammtische, studentische Verbindungen und Vereine ihr zu Hause haben. Gleich nebenan befindet sich der Ratskeller und das historische Rathaus, in dem wie bereits eingangs erwähnt der westfälische Friede von Münster und Osnabrück besiegelt wurde. Vom Rathaus aus blicken Sie auf den Domplatz. Gehen Sie ein paar Schritte die kleine Straße „Am Michaelisplatz“ hoch, stehen Sie bereits mitten auf dem Domplatz mit seinem mächtigen und berühmten Paulus Dom. Auf diesem Platz finden auch die Wochenmärkte statt. Des Abends wird der Dom mit Scheinwerfern illuminiert (angestrahlt). Hier beschließen wir nun unseren Stadtrundgang durch die Innenstadt, wohl wissend Ihnen nur einige wenige der vielen Attraktionen von Münster vorgestellt zu haben, aber auch außerhalb des Zentrums hat die Stadt viel zu bieten. Wir kehren zurück in den Kleinen Kiepenkerl und beschließen mit einem Spargelessen den sonnigen Stadtrundgang mit unserem Stadtführer Wolfgang Deckenbrock.
Verlässt man die Innenstadt mit dem PKW in südwestlicher Richtung, um zum Allwetterzoo zu gelangen, liegt auf der rechten Seite der Aasee. Der See ist künstlich angelegt, hat eine Fläche von 42 Hektar und ist 2,3 Kilometer lang. Am Aasee gibt es zwei kleine Bootshäfen mit Gas­tronomie und die Aaseeterrassen. Direkt am See liegen aber auch das Mühlenhof-Freilichtmuseum, der Allwetterzoo, das Naturkundemuseum mit Planetarium, das Westfälische Pferdemuseum. Der Wasserbus „Professor Landois“ fährt vom Aasee aus direkt in den Zoo. Im Sommer finden auf dem See auch Ruder- und Segelregatten statt. Im Jahr 2009 wurde der Aaseepark als schönster Park Europas ausgezeichnet, nachdem er 2008 bereits zum schönsten Park Deutschlands gewählt wurde. Bundesweite Berühmtheit erlangte der Aasee 2006, als der schwarze Schwan Petra sich in ein Tretboot in Schwanengestalt verliebte und nachdem das Tretboot im Winter aus dem Wasser geholt wurde, hier sogar überwinterte.
Anhand dieser kurzen Städtereise können Sie leicht ermessen, dass man hier zeitlich in ein paar Stunden nicht allzu viel zu sehen bekommt. Da bietet es sich an, in einem der guten Hotels der Innenstadt oder auch etwas außerhalb in einem der Schlosshotels für ein paar Tage zu übernachten, um Münster von seinen schönsten Seiten zu erleben. Zum Hotel Kaiserhof und seinem Gourmetrestaurant Gabriels können Sie direkt mit dem Zug anreisen. Fürstlich übernachten in einem Schlosshotel können Sie z. B. im Schloss Wilkinghege oder im Parkhotel Schloss Hohenfeld und natürlich in vielen schönen Hotels und Pensionen der Innenstadt oder Landgasthöfen.
Münster ist eine Stadt, um Urlaub zu machen, für uns Westfalen und für viele Menschen aus der ganzen Welt. Sie ist buchstäblich „Welt offen“.